November 13, 2008

Die Zukunft der Obama-Bewegung

Auch wenn Barack Obama mittlerweile in die nüchternen Tiefen der Regierungsplanung eingetaucht ist, so hält die Begeisterung und Faszination für seine Kampagne ungehindert an. Aus einer anfangs simplen Botschaft formte Obama eine Bewegung, die ein historisches Ausmaß angenommen hat.

Obamas Medienberaterin Anita Dunn schätzte die Zahl der Freiwilligen auf 10 Millionen. Auch gesicherte Angaben über den Umfang von Obamas Online-Community gibt es noch nicht. Folgende Zahlen kursierten allerdings auf Tech President, dem führenden Weblog zum Online-Wahlkampf in den USA:

  • 10-12 Mio. E-Mail-Adressen

  • 3-5 Mio. Handynummern

  • 2 Mio. MyBo-Nutzer

Hinzu kommen ca. 80-100 Mio. Videoviews auf YouTube pro Tag,  3,1 Mio. Facebook-Anhänger und 900.000 Freunde auf MySpace. Mit einem Wort: Wow!

Die große Frage wird nun sein, wie der Kandidat Obama diese organisch gewachsene Gemeinschaft als Präsident Obama nutzen wird. Spekulationen schießen in der Blogosphäre ins Kraut. Den einzigen offiziellen Hinweis haben wir bisher von Obamas Internguru Chris Hughes erhalten, der auf seinem Blog kurz nach dem Wahlsieg schrieb: „This site is not going anywhere. The online tools in My.BarackObama.com will live on. Barack Obama supporters will continue to use the tools to collaborate and interact.

Pünktlich nach der Wahl ging zudem die Webseite change.gov online, die Obamas Internetfirma Blue State Digital seiner Kandidaten-Homepage nachempfunden hat. Auch wenn es noch an politischem Inhalt auf der Seite fehlt, so deutet dieses Blog doch an, das Obama auch in Zukunft intensiv online kommunizieren wird. Erhellend ist auch die Tatsache, dass das New Media Transition-Team von Obama als eines der ersten vollständig benannt worden und ab sofort funktionsfähig ist.

Was wird aber mit der E-Mail-Liste des neuen Präsidenten passieren? Obama darf sie nicht aus dem Weißen Haus heraus für politische Zwecke nutzen. Das ist gesetzlich verboten. Die realistischste Option wird es sein, sie in ein Political Action Committee (PAC) auszugliedern, dem es erlaubt ist,  TV-Spots zu schalten, Wählermobilisierung für demokratische Themen und Kandidaten zu betreiben oder Trainings für lokale Aktivisten anzubieten. Eine ähnliche Organisationsform hat im Übrigen auch MoveOn.org gewählt.

Vieles wird allerdings vom Enthusiasmus der Obamaniacs abhängen, die Regieren wahrscheinlich nicht ganz so spannend finden werden wie Wahlkämpfen. Wir werden sehen. Eines scheint aber schon jetzt klar zu sein. Obama wird das Internet benutzen, um wieder direkter mit den Bürgern zu kommunizieren. In der Tat denkt sein Team über eine Art digitalen fireside chat nach, den Präsident Roosevelt in den 1930er Jahren über das Radio kultiviert hatte.

Als Vorbild könnte ihm Gordon Browns Number-10-Blog dienen, auf dem der britische Premierminister jede Woche eine Bürgerfrage per YouTube-Video beantwortet. Nicht alles Neue macht Amerika.

Gewinner und Verlierer

Am Wochenende nach den Präsidentschaftswahlen treffen sich die Berater der Kampagnen traditionell auf der Konferenz der International Association of Political Consultants (IAPC) in Washington, DC, um erste Gedanken über den abgelaufenen Wahlkampf auszutauschen. Auch in diesem Jahr fand die Tagung statt und bot interessante Einblicke in Strategie und Taktik von Barack Obama, John McCain und Hillary Clinton.

Für die Obama-Kampagne sprach Medienberaterin Anita Dunn. Sie hob noch einmal die transformative Kraft einer neuen Wahlkampfphilosophie hervor, die Kampagnen nicht mehr als Top-Down-Strategie, sondern als Bottom-Up-Prozess begreift.

Dunn nannte drei wesentliche Erfolgskriterien für Obamas Sieg. Erstens war seine Botschaft. organisch mit dem Kandidaten und seiner Lebensgeschichte verwoben. Obamas Talent, „on message“ zu bleiben, beeindruckte selbst die erfahrene Medienberaterin. Sie erklärte sich diese Fähigkeit mit einer simplen Tatsache. Im Gegensatz zu vielen anderen Kandidaten, wusste Barack Obama von Beginn seiner Kampagne an, was er sagen und warum er es sagen wollte.

Ein zweiter wichtiger Erfolgsfaktor war Obamas gute Kampagnenorganisation. Die Zahl der Freiwilligen schätzte Dunn insgesamt auf ca. 10 Millionen. Allein am letzten Wochenende vor der Wahl konnten die Freiwilligenzahlen noch einmal um 30 Prozent gesteigert werden. In den Schlüsselstaaten machten Volunteers am Samstag und Sonntag vor der Wahl 9 Mio. Hausbesuche. Allein in Pennsylvania fanden über 800.000 Live-Telefon-Anrufe statt.

Als dritten wichtigen Punkt machte Dunn Obamas Gespür für die richtige Strategie aus. Der sonst so analytische Obama entschied sich instinktiv dafür, eine konsequente Kleinspenderstrategie zu verfolgen, den gesamten Fokus auf die Vorwahlen in Iowa zu setzen und die Kontroverse um seinen umstrittenen Pastor Jeremiah Wright mit einer eloquenten Rede frontal anzugehen.

Insgesamt beschrieb Dunn Obama als einen transzendentalen Kandidaten, der weit über die rationale Sachebene hinaus denkt und einen höheren, ganzheitlicheren Anspruch an Politik hat.

Diese Aussage teilte Bill McInturf, der langjährige Meinungsforscher von John McCain. Immer noch sichtlich frustriert über die Wahlniederlage räumte er zwar eigene Fehler ein, verwies aber auf die düsteren Makrotrends (Wirtschaftslage, politische Stimmung im Land, Zustimmungsraten für den amtierenden Präsidenten), vor deren Hintergrund diese Wahl stattfand. Kein republikanischer Kandidat hätte gegen diese Trends bestehen können, so McInturf.

Mit dieser Aussage hatte er sicher Recht. Fragen nach der unglücklichen Vizepräsidentschaftskandidatenwahl von Sarah Palin oder die aufgesetzte „Joe, the Plumber“-Kampagne wehrte er allerdings ab. All das sei nicht entscheidend gewesen. Zentral für den Wahlkampf war für ihn die Finanzkrise, die das Rennen zugunsten von Obama verschoben habe.

Als weiterer Wahlverlierer war Hillary Clintons Chefstratege Mark Penn geladen. Der CEO der weltweit agierenden PR-Firma Burson-Marsteller ging in seiner Rede kaum auf den Vorwahlkampf ein. Er betonte hingegen die historische Bedeutung der Präsidentschaftswahl für die Demokraten. Erstmals seit den 1990er Jahren sei eine Mehrheit links der Mitte in den USA möglich. Darauf deuteten die Wahlergebnisse hin. Die Demokraten seien zur Partei der Zukunft (und der Hoffnung) geworden, die Minoritäten, Jungwähler und nahezu alle Einkommensschichten gewinnen konnte. 

Am Ende waren ihm jedoch auch kritische Töne zu Hillary Clintons Kampagne zu entlocken. Penn gab offen zu, dass die Planung über den Super Tuesday hinaus besser hätte sein können. Falls er jetzt noch einmal gegen Barack Obama antreten könnte, würde er Jungwähler aggressiver umwerben, deutlichere Kontraste zu Obama zeichnen und intensiver um die verlorenen Delegiertenstimmen in Michigan und Florida kämpfen, so der Meinungsforscher.

Das Wichtigste sei jedoch, dass die Demokratie in den USA gesund und munter sei. Politische Partizipation sei zu einem echten Massentrend geworden. Dunn und McInturf stimmten – ganz im Sinne der von Obama geforderten Überparteilichkeit - kopfnickend zu.

November 06, 2008

Die Obama-Koalition

Von Maik Bohne

Für Politikwissenschaftler ist diese Nachwahlphase ein Fest. Seit Jahren sind sie auf der Suche nach einer neuen realignment election, also einer Epoche machenden Wahl, bei der sich Wählerblöcke verschieben und sich die Machttektonik zwischen den Parteien ändert. Es zu früh, diese Präsidentschaftswahl in eine solche Kategorie einzuordnen. Die ersten Daten aus den Nachwahlbefragungen verraten aber sehr interessante Trends.

Vorweg: Der Sieg Barack Obamas ist maßgeblich der aktuellen Wirtschaftslage geschuldet. Sie führte zu einem massiven Wechsel vieler Wähler in das demokratische Lager. Je schlechter die Bürger die Wirtschaftsentwicklung bewerteten, desto höher stiegen die Umfragewerte für Obama (s. Grafik). Über 60 Prozent der Wähler gaben an, Wirtschaft und Arbeit seien die wahlentscheidenden Themen für sie gewesen. 75 Prozent bezeichneten ihre persönliche Situation als stagnierend oder verschlechtert.


Bild1

Insgesamt hat Barack Obama seinen Sieg einer sehr bunten, zukunftsfähigen Koalition von Wählern zu verdanken. Beginnen wir der Jugend. Selten gab es eine solch eklatante Spanne zwischen den Kandidaten im Segment der Jungwähler. Obama gewann die Gruppe der 18-bis 29-jährigen mit 34 Prozentpunkten (!) Vorsprung.  Insgesamt wählten 11 Prozent des Elektorats zum ersten Mal. Diese Wähler waren mehrheitlich jung und farbig, sie gingen klar an Obama. Interessant auch die Werte bei jungen Latinos, von denen 76 Prozent den Demokraten wählten.

Auch die Gender-Lücke ist wieder größer geworden. Frauen präferierten Barack Obama mehrheitlich gegenüber John McCain (56%-43%). Das ist ein deutlicher Zuwachs zu 2004. Diesen Vorsprung hat Obama vor allem allein stehenden (und oft auch allein erziehenden) Frauen zu verdanken, bei denen er einen Vorsprung von 41 Prozent gegenüber John McCain hatte. Auch bei Männern konnte Obama eine knappe Mehrheit erreichen.

Auch wenn die Mehrheit der weißen Wähler für John McCain stimmte (43%-55%), so konnte Obama diesen Nachteil mit einem Zuwachs an minoritären Wählern wettmachen. Waren 90 Prozent der McCain-Wähler weiß, so hatte Obama eine buntere Zusammensetzung von Unterstützern. 61 Prozent seiner Wähler waren weiß, 23 Prozent schwarz, 11 Prozent Latino und 2 Prozent Asiaten. Insgesamt stimmten 95 Prozent der Afro-Amerikaner für ihn. Das ist ein Zuwachs von 7% gegenüber John Kerry in 2004. Bei Asian Americans hatte Obama einen Vorsprung von knapp 30 Prozent.

Bedeutender ist jedoch der Stimmungswechsel bei den Latinos. Hatte George W. Bush es vor vier Jahren noch geschafft, viele (kulturell konservative) Hispanics mit einem ausgeprägten Wertewahlkampf ins Lager der Republikaner zu ziehen, so wanderten 2008 viele dieser Wähler zu den Demokraten. Obama konnte bei dieser überproportional wachsenden Bevölkerungsgruppe 23 Prozentpunkte gut machen. Sie bescherte ihm u.a. Siege in New Mexico und Colorado.

Wichtiger Bestandteil der obamaschen Wählerkoalition waren zudem die affluenten, weißen, gebildeten Wähler in den Vororten der größeren Städte. Obama nahm vieler dieser Bastionen des moderaten Konservatismus ein, egal ob im Norden Virginias oder im reichen Orange County in Kalifornien. Obwohl Obama im Wahlkampf offen zugab, Umverteilungspolitik betreiben zu wollen, holte er massiv bei Gutverdienern auf, die über 100.000 Dollar Jahreseinkommen haben (+8%). Diese Gruppe hatte George W. Bush 2004 noch klar für sich entschieden.

Auch die Mehrzahl der besser Gebildeten im Land scheint vermehrt zur Demokratischen Partei zu stoßen. Bei Wählern mit einem Master- oder PhD-Abschluss gewann Obama 18 Prozentpunkte dazu, auch bei College-Absolventen siegte er knapp. Hinzu kommen die Arbeiter und Geringverdiener, die zwar mehrheitlich in den Primaries für Hillary Clinton gestimmt hatten, aber im Laufe des Hauptwahlkampfes – auch dank der effektiven GOTV-Kampagne der Gewerkschaften – zurück ins demokratische Lager gekommen sind.

Das Bild lässt einen klaren Schluss zu. Barack Obama hat es geschafft, die demokratische Wählerkoalition massiv auszubauen und ihr das Label „Zukunft“ anzuheften. Die Republikaner werden dagegen mehr und mehr zur Partei der angry white men im Heartland und im Süden des Landes. Die einzigen Bezirke, in denen McCain dazu gewinnen konnte, waren strukturschwache Gegenden in den Appalachen. Das sagt einiges aus.

Download whler_gewinne_precincts_2008.png

Inspiration und Nachhaltigkeit

Von Maik Bohne - zuerst erschienen auf Standard.at

Barack Obama ist zum 44. Präsident der USA gewählt worden. Was für ein Sieg, was für eine Wahlnacht, was für eine Wahlbeteiligung! Die Umfrageinstitute hatten den 47-jährigen Senator aus Illinois zwar seit langem vor John McCain gesehen, dass Obama aber mit 364 Elektoren und über  sieben Millionen Wählerstimmen Vorsprung gewinnen würde, hatten nur die kühnen Optimisten erwartet.

Der Aufstieg Barack Obamas fasziniert. Selten wurde in der amerikanischen Politik, die nicht gerade arm an Aufsteigergeschichten ist, eine solche Erfolgsstory geschrieben. Ein nahezu unbekannter Politiker mit ungewöhnlichem Namen und schwarzer Hautfarbe hat es innerhalb von fünf Jahren geschafft, von einem talentierten Landtagsabgeordneten in Illinois zum Präsidenten der USA aufzusteigen. Bereits im episch anmutenden Vorwahlkampf  gegen die siegesgewisse Hillary Clinton hatte Obama gezeigt, welches Potenzial in ihm und in seiner Kampagne steckte. Mit seinem Sieg gegen John McCain ist nun auch den letzten Zweiflern klar, dass wir es hier mit einem außergewöhnlichen Phänomen zu tun haben, das die politische und kommunikative Landschaft auf Jahre hinaus prägen wird.

Fragt man ganz allgemein nach den Erfolgsfaktoren Obamas, dann fallen schnell die Stichworte Charisma, Authentizität und mitreißende Rhetorik. In der Tat hat es selten einen Politiker gegeben, der mit seiner Botschaft des Wandels so eindringlich den Zeitgeist getroffen hat. Selten hat es eine Kampagne gegeben, die so konsequent in eine übergeordnete  Erzählung eingebunden war. Eine Erzählung, die Obamas Botschaft des Wandels, der Hoffnung und des Brückenbauens eng mit seiner Lebensgeschichte, aber auch mit dem positiv-optimistischen Narrativ des Amerikanismus verknüpfte.

Mehr als Charisma

Barack Obama ist jedoch mehr als ein talentierter Politiker mit einer guten Botschaft, er ist mehr als ein guter Rhetoriker mit Intellekt. Obama wusste von Beginn seiner Kampagne an, dass Charisma nicht ohne Organisation auskommt, dass Ausstrahlungskraft eine soziale Dimension braucht. So konsequent wie kein anderer Kandidat vor ihm nahm er deshalb eine neue Wahlkampfphilosophie an, in deren Mittelpunkt der direkte Dialog mit dem Bürger stand. Sein basisdemokratisches Credo hieß: „Jeder Unterstützer ist ein Botschafter!“

Es ermöglichte ihm, aus einer anfangs simplen Botschaft eine echte soziale Bewegung zu formen, die auf dem Höhepunkt des Wahlkampfes auf mehr als fünf Millionen Freiwilligen basierte, die für den Kandidaten von Haus zu Haus gingen, telefonierten, Partys veranstalteten und das Gespräch im Freundes-, Familien- oder Kollegenkreis suchten. Obama wollte keine normale Wahlkampf-PR machen, sondern eine neue Form des basisnahen, dezentralen, lebensnahen Dialogs mit und in der Gesellschaft organisieren. Diese Philosophie propagierte der Kandidat immer wieder mit einem seiner eindringlichsten Zitate des Wahlkampfes: „This election is not about me, it is about YOU.

So weit, so gut. Wie aber wird Barack Obama nach der Wahl agieren? Die Aussichten für eine erfolgreiche Präsidentschaft erscheinen auf den ersten Blick sehr günstig. Obama verfügt über eine solide UND homogene Mehrheit, die in den USA nahezu ohne Präzedenz ist. Sein Charisma und seine rhetorischen Fähigkeiten werden helfen, die kommunikativen Machtmittel, die dem obersten Meinungsführer des Landes zur Verfügung stehen, effektiv einzusetzen. Hinzu kommt Obamas eigene Massenbewegung, die er dazu nutzen wird, um wankelmütige Kongressabgeordnete von seiner Regierungsagenda zu überzeugen. Sein digitales Adressbuch ist mittlerweile in der Tat größer als das vieler Interessengruppen in Washington, DC.

Projektionsfläche mit Nachhaltigkeit?

Und doch wird Barack Obama keine allzu lange Phase des politischen Honeymoons haben. Der Politnovize, der während des Wahlkampfes als offene Projektionsfläche für seine Unterstützer diente, hat unendlich viele Hoffnungen geweckt. Hoffnungen, die nur schwer zu erfüllen sind. Will Obama keinen katastrophalen Regierungsstart erleben - Bill Clinton lässt grüßen -, dann muss er schnell den Sprung von der Rhetorik zur Substanz, von der Inspiration hin zu politischer Führung, vom Wahlkampfenthusiasmus hin zu legislativer Nachhaltigkeit schaffen.

Dazu braucht er eine klare Prioritätenliste. Denn auch wenn Obama mit der populistischen Botschaft angetreten ist, das verhasste Washington, DC, radikal zu ändern, so wird er maximal zwei größere Reformvorhaben durch den Kongress bekommen. Die Mühlen der Gesetzgebung werden auch in einem demokratisch dominierten Umfeld langsam mahlen. Kein Mensch weiß, wie stark und schnell sich Obama von der legislativen Kärrnerarbeit frustrieren lässt. Exekutive Erfahrung hat er ja bisher noch keine.

Hinzu kommen die Begehrlichkeiten der liberalen Ausschussvorsitzenden im Parlament, die ihr halbes politisches Leben auf den Tag gewartet haben, an dem sie endlich Politik gestalten können, ohne Rücksicht auf ihre konservativen Gegenspieler in der republikanischen Partei nehmen zu müssen. Von den ökonomischen und gesellschaftlichen Verwerfungen, die die Finanzkrise in den Vereinigten Staaten anrichten wird, war hier noch gar nicht die Rede. Nüchtern betrachtet ist der Spielraum für Wandel in Zeiten eines substantiellen Wirtschaftsabschwungs und eines überbordenden Haushaltsdefizits extrem gering. „What happened to the politics of hope and change?“

Diese Frage könnte schnell zu einem geflügelten Motto für Obamas politische Gegner werden. Gerade das weiterhin gut geölte und ideologisierte Conservative Movement wird Obama massiv unter Druck setzen. Schon jetzt freuen sich einige Führer der Bewegung auf die Präsidentschaft eines liberalen Demokraten, der für sie zu einem Jungbrunnen werden könnte.

Wir wollen in Zeiten des Triumphes aber nicht den Schwarzmaler spielen. Ein Präsident Obama hat ohne Frage das Potenzial, zum Hoffnungsträger einer ganzen Generation zu werden. Regiert er inklusiv und transparent, smart und unaufgeregt, idealistisch und realistisch, mit gutem Personal und positiver Rhetorik, dann kann er ohne Zweifel ein zweiter Franklin D. Roosevelt werden. Barack Obama betont immer wieder, dass es ihm um eine neue Sichtweise auf Regierungshandeln in den USA geht. Er will weg von den alten Debatten über zu viel oder zu wenig Staat. Er möchte ganz einfach intelligent regieren. Das fehlte den USA allzu oft in den vergangenen acht Jahren.

 

November 05, 2008

Historischer Sieg

Die Zahlen sprechen für sich. Barack Obama siegt mit 190 Elektoren und über sieben Millionen Wählerstimmen Vorsprung gegen John McCain. Amerika verzeichnet die höchste Wahlbeteiligung seit 100 Jahren. Ein farbiger, charismatischer, junger Politnovize schafft es, innerhalb weniger Jahre vom Außenseiter zum Präsidenten der USA aufzusteigen.

Diese Wahlnacht in Washington, DC zu erleben, war einmalig. Den ganzen Tag über lag eine angespannte Stimmung über der Stadt, die zwar (noch) einen republikanischen Präsidenten beherbergt, aber ansonsten zu 95 Prozent demokratisch ist. Als klar wurde, dass Barack Obama der nächste Präsident der USA werden wird, kannte der Jubel keine Grenzen.

Im sonst so kontrollierten, bürokratischen und spießigen DC fanden Straßenpartys statt, Autokorsi fuhren durch die City, mehrere Tausend Menschen versammelten sich vor dem Weißen Haus, um George W. Bush ein kleines Abschiedskonzert zu geben. Es waren vor allem junge College-Kids, die den Weg in die Pennsylvania Avenue gefunden hatten, gemixt mit ein paar Altlinken, die sich mit Tränen in den Augen ihre Siegeszigarren anzündeten.

Die Ostküste schien regelrecht aufzuatmen. Dieser Sieg war ein Befreiungsschlag gegen die konservativen Eliten, die den Diskurs im Land viel zu lange mit Halbwahrheiten und Angstrhetorik dominiert hatten.

Held des Abends war natürlich Barack Obama, der einmal mehr zeigte, mit welcher Eloquenz er es versteht, seine Botschaft zu senden. Geschickt wob er seinen eigenen Triumph in die Narration und Geschichte des Landes ein. Bemerkenswert - auch wenn ein solcher Auftritt natürlich einen Schuss zu viel Pathetik für europäische Ohren hat.

In dem ganzen Trubel ist eine glorreiche Tat nahezu komplett untergegangen. John McCain zeigte sein wahres Gesicht – im positiven Sinne. Im Wahlkampf war er seinen Beratern gefolgt und hatte dem Land die üblich-simple konservative Soße aufgetischt. Terroristen, Hockey-Mums, Klempner-Joe, Sozialismus… die McCain-Kampagne ließ nichts aus. Umso beeindruckender war McCains offene und kompromisslose Unterstützung für den neuen Präsidenten Barack Obama!

Morrisey hat einmal gesungen: “America… where the president is never black, female or gay.“ Da ist wohl eine neue Version fällig.

November 04, 2008

Barack Obama

Von Maik Bohne

 

Amerikanisches Fernsehen zu schauen ist absolut grenzwertig. Auf CNN diskutierte irgendein Journalist gerade ernsthaft mit Experten darüber, ob man Obama einen Sozialisten nennen könne. Bei Bill O´Reilly auf Fox News ist diese Frage bereits positiv beschieden worden. Immerhin: Es ist Obama, der in diesen letzten Tagen vor der Wahl die Medienberichterstattung dominiert. Und das nicht nur, weil er in nahezu jeder Werbepause gefühlte drei Minuten via TV-Spots über den Bildschirm flimmert.

 

Obama liegt deutlich und stabil in Führung. Auch wenn McCain und die Republikanische Partei alles tun, um Zweifel an seiner Eignung als Commander-in-Chief zu hegen; auch wenn  sie alles in Bewegung setzen, um ihn in die Nähe von Terroristen und illegalen Immigranten zu bringen; auch wenn bei den Demokraten wieder die Angst vor einer Last-Minute-Niederlage hoch kommt. Der Blick auf die Umfragen lässt keinen Zweifel zu: Barack Obama ist auf gutem Wege, der 44. Präsident der USA zu werden.

 

Meine erste und einzige persönliche Begegnung mit Barack Obama fand in Concord, New Hampshire, im schönen Indian Summer 2007 statt. Sein Auftritt vor einer kleinen Gruppe von 100 Menschen kam an. Die auffallend junge Masse tobte, die Schilder flatterten, Hände streckten sich dem Superstar entgegen. Dennoch wirkte Obama extrem müde und matt. Kein Wunder. Die Umfragen verhießen nichts Gutes drei Monate vor der ersten Vorwahl in Iowa. Hillary Clinton thronte siegesgewiss über dem restlichen Kandidatenfeld.

 

Alle möglichen Experten meldeten sich damals zu Wort. Sie empfahlen dem jungen Senator aus Illinois, seinen Positivwahlkampf zugunsten gezielter Attacken gegen die Ex-First-Lady aufzugeben. Nur Negatives bewege die Umfragezahlen, so die gängige Meinung der professionellen Beraterkaste. Der Kandidat gab sich der Versuchung nicht hin. Unbeirrt blieb er bei seiner übergeordneten Botschaft des Wandels und der Hoffnung, die ihm als sicheres, konstantes Fundament für einen außergewöhnlichen Wahlkampf diente, der nun mit dem größten Preis im politischen Geschäft des Landes gekrönt werden kann.

 

IMG_6070

 

Es ist bemerkenswert, mit wie viel Chuzpe und Selbstgewissheit dieser 47-jährige Politnovize bisher agiert hat. Kein Kandidat seit Ronald Reagan ist so teflonartig aufgetreten. An Obama schien alles abzuprallen, was ihm an Dreck und Gerüchten entgegen geschmissen worden ist. Schlichte Zungen behaupten, dass es allein sein gutes Aussehen, sein Lächeln, sein irrationales Starimage, seine blumige Sprache gewesen sind, die den Menschen – und insbesondere der liberalen Medienelite - die politischen Sinne vernebelt haben.

 

Barack Obama ist aber weit mehr als nettes Charisma und schöne Rhetorik. Ich halte ihn für den talentiertesten Politiker unserer Generation, weil er auf eine fast schon überperfekte Weise die besten Eigenschaften eines Staatesmannes in sich vereint. Er ist entscheidungsfreudig, aber offen für Beratung. Er ist intellektuell, beherrscht aber die einfache, integrative, populistische Sprache. Er ist eine Führungspersönlichkeit ohne Hang zur Selbstüberschätzung. In Zeiten der Krise bleibt er ruhig und gelassen, ohne inaktiv oder entrückt zu wirken.

 

Gerade die Reaktionen während der Finanzkrise zeigten, was wir von Obama im Präsidentenamt erwarten können. Selbstbewusst verwehrte er sich gegen den blinden Aktionismus eines John McCain, der seinen Wahlkampf prominent aussetzte, nur um zu merken, dass er die Verhandlungen über den Rettungsplan zwischen Kongress und Weißem Haus nicht einen Deut beeinflussen konnte. Unaufgeregt war Obama auch bei der Wahl seines Vizepräsidentschaftskandidaten. Er setzte auf einen erfahrenen Politiker mit Sachkompetenz. Eine politische Peinlichkeit wie Sarah Palin wäre ihm niemals unter gekommen, auch wenn sie noch so viel schillerndes Heartland mit in die Kampagne gebracht hätte. Kurzum: Der junge Barack Obama zeigte Führungsqualitäten, während der alte Haudegen McCain erratisch wirkte.

 

Ebenso wichtig ist jedoch das Programm, mit dem Obama in das Weiße Haus einzieht. Auch wenn er – teilweise zu Recht – für seine unspezifische Rhetorik gerügt worden ist, so kann doch niemand ernsthaft behaupten, er habe inhaltlich nichts vorzuweisen. Kaum ein Präsidentschaftskandidat in der Geschichte der USA hat ein solch ausgefeiltes Programm vorgelegt. Ein Programm, das ökonomische Vernunft betont, aber auch den gezielten Konflikt mit dem abgewirtschafteten konservativen Dogma des „Weniger Staat = bessere Wirtschaftsentwicklung = mehr Freiheit und Wohlergehen“ eingeht.

 

Steuern für Reiche rauf; Steuern für die Mittelschicht runter; Krankenversicherung bezahlbarer machen; Emissionshandel zugunsten des Klimaschutzes schaffen; Energie sparen; Truppen aus dem Irak abziehen; Hauptaugenmerk auf Afghanistan richten; Diplomatie und internationale Kooperation stärken. Das sind die Kernpunkte seines Programms, für das die mitte-rechts gelagerte Gesellschaft in den USA erstaunlich empfänglich geworden ist.

 

Natürlich: Ein schönes Wahlprogramm ist das eine, die politische Realität das andere. Nüchtern betrachtet ist der Spielraum für Wandel in Zeiten einer substantiellen Wirtschaftskrise und eines überbordenden Haushaltsdefizits extrem gering. Auch braucht Barack Obama dringend eine Prioritätenliste für seine erste Amtszeit, denn mehr als zwei große Reformvorhaben wird ihm auch eine große - aber fragmentierte - demokratische Mehrheit im Kongress nicht zugestehen.

 

Dennoch hat ein Präsident Obama das Potenzial, zum Hoffnungsträger einer ganzen Generation zu werden. Regiert er inklusiv und transparent, smart und unaufgeregt, idealistisch und realistisch, mit gutem Personal und positiver Rhetorik, dann kann er ohne Zweifel ein zweiter FDR werden. Barack Obama betont immer wieder, dass es ihm um eine neue Sichtweise auf Regierungshandeln in den USA geht. Er will weg von den alten Debatten über zu viel oder zu wenig government. Er möchte ganz einfach intelligent regieren. Das fehlte den USA allzu oft in den vergangenen acht Jahren. Deshalb: GO BARACK OBAMA!


Obama-buchbild 

Jetzt im Buchhandel: Kerstin Plehwe/ Maik Bohne: Von der Botschaft zur Bewegung. Die 10 Erfolgsstrategien des Barack Obama. Hanseatic Lighthouse. Hamburg. 2008

November 03, 2008

Schlussspurt in Virginia

Von Maik Bohne

 

Die letzten 48 Stunden dieses Wahlkampfes wollen richtig genutzt sein. Deshalb geht es ab in den Flieger, um diese historische Wahl vor Ort in Washington, DC live und in Farbe mitzuerleben.

 

Amerika ist im Wahlfieber, das merkt man sofort. Kein anderes Thema scheint die Menschen hier stärker zu bewegen. Im Frühstücksfernsehen wird sogar offen über Entzugserscheinungen nach dem Ende der 20-monatigen Wahlperiode gesprochen. Manch einer der politischen Junkies fürchtet sich hier bereits vor dem Cold Turkey nach dem 4. November.

 

Verrueckt. Selbst die Finanz- und Wirtschaftskrise gerät für einige kurze Momente in Vergessenheit. Im Fernsehen laufen die Spots rauf und runter. Obama dominiert hier im Norden von Virginia die Werbephasen, teilweise mit zweiminütigen Mega-Beiträgen.

 

Aber auch John McCain und das Republican National Committee sind “on air”, zumeist mit Negativinformationen über ihren demokratischen Gegenkandidaten. Massive Zweifel werden an Obamas Mainstream-Image und an seiner Eignung als Commander-in-Chief gehegt und gepflegt.

 

Mit diesem medialen Hintergrundrauschen im Kopf geht es in den elektoralen Nahkampf. Hausbesuche, das sog. door-to-door canvassing, steht für uns auf dem Programm. Als Deutscher hat man die üblichen Zweifel: “Man kann da doch nicht einfach vorbeigehen und mitmachen, so kurz vor der Wahl!”

Aber genau das geht. Wir melden uns kurz beim Freiwilligen-Koordinator in der Obama-Zentrale an und eine halbe Stunde später sind wir bereits mit einer ausgedruckten Google-Strassenkarte auf dem Weg durch einen gepflegten Vorort im Norden von Virginia, einem der wichtigsten Schlüsselstaaten dieser Wahl.

 

Das Canvassing ist beschwerlich. Cindy hatte bereits drei Besuche in den letzten vier Tagen und offensichtlich keine Lust mehr, mit uns zu sprechen. Pete ist nicht zu Hause. Er bekommt einen Anhänger an seine Türklinke, der ihn daran erinnert, am Dienstag die Herren Obama und Biden zu wählen.

 

OosVA

 

Anders sieht es bei Steve aus. Er schaut gerade College-Football, aber hat fünf Minuten Zeit, um mit uns über seine elektorale Zerrissenheit zu sprechen. McCain hält er für einen amerikanischen Helden. Er steht dem alten Kriegsveteranen kulturell deutlich näher als Obama, das spürt man. Andererseits ist da jedoch die Wirtschaftskrise, sein unsicherer Rentenfonds und das Schlamassel im Irak.

 

Steve mag uns, wir verstehen uns auf Anhieb. Hier die deutschen Volunteers, dort der amerikanische Trucker, der hin- und hergerissen ist zwischen konservativem Wertemuster und linkem Sozialstaatsdenken.

Am Ende des Gesprächs kreuzen wir hinter Steves Namen eine „2“ an. Er neigt zu Obama. Das ist ein Erfolg. So geht es den ganzen Nachmittag weiter, von Haus zu Haus, von Wähler zu Wähler. Jede Stimme zählt, gerade hier im Old Dominion, das auf dem Weg ist, nach 44 Jahren wieder an die Demokraten zu gehen.

October 27, 2008

Demokratischer Erdrutsch?

Die schlechten Nachrichten für John McCain reißen nicht ab. Die nationalen Umfragen sehen Barack Obama mittlerweile stabil zwischen acht und zehn Prozentpunkten vorne, seine Vizepräsidentschaftskandidatin fällt durch peinliche Auftritte und eine 150.000-Dollar-Couture auf, sein Kampagnenteam ist zerstritten, seine Partei fürchtet den Absturz in die Bedeutungslosigkeit. 

 

In der Tat mehren sich die Stimmen, die einen demokratischen Erdrutschsieg am 4. November voraussagen, nicht nur auf der Präsidentenebene, sondern auch im Kongress. Schaut man sich an, in welchen Bundesstaaten die Kandidaten ihre restlichen Ressourcen einsetzen, so zeigt sich ganz deutlich, dass McCain nahezu ausschließlich in der Defensive ist, Obama hingegen nur noch Offensive spielt.

 

McCain hat sich auf die Verteidigung der Staaten zurückgezogen, die George W. Bush 2004 zum Sieg reichten. Auch wenn er weiterhin im demokratischen Pennsylvania aktiv ist, so fokussiert er sich im Prinzip auf den Kampf in Ohio, Florida, Missouri, Virginia und North Carolina. In diesen Staaten hat Obama seinerseits voll auf Angriff umgeschaltet.

 

Ein Blick auf die Wahlkarte zeigt die ausweglose Situation für McCain. Selbst traditionell republikanische Bundesstaaten wie Montana, North Dakota und South Dakota sind nicht mehr außer Reichweite für Obama. Selbst in Georgia und South Carolina profitiert er vom Hunger nach Wandel in ökonomisch harten Zeiten.

Electoral Map End of Oct 

Auch im Kongress sieht es düster aus für die Grand Old Party (GOP). Im Repräsentantenhaus könnten die Demokraten 20 bis 40 Sitze dazu gewinnen , im Senat sogar die obstruktionsfeste Zahl von 60 Stimmen erreichen , die gegen Filibuster von Seiten der Republikaner schützen würde.

 

Ob den Demokraten ein solcher Erdrutsch aber wirklich gut tut? Mit einer absoluten gestalterischen Mehrheit in Washington wächst der Druck auf die Partei ins Unendliche. Erwartungen könnten schnell enttäuscht werden. Wie zwischen 1992 und 1994, als Bill Clinton das Land mit einem Reformschwall überzog und den Boden für ein wieder erstarktes conservative movement rund um den damaligen republikanischen Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus Newt Gingrich bereitete.

 

Doch selbst besagter Gingrich fragt heute offen: „How did we get into this mess?“ Ganz einfach. Einmal mehr ist eine verdichtete Ideologie an ihrem missionarischen Eifer und ihrer Kompromisslosigkeit gescheitert, weil sie den Blick auf die Realitäten im Land Schritt für Schritt verloren hat. Das politische System der USA lebt vom Kompromiss. Das haben die Herren Bush, Gingrich, DeLay oder Boehner allzu oft vergessen.

October 23, 2008

In eigener Sache...

It`s all about... Freiwillige

Blass vor Neid schauen die deutschen Parteien regelmäßig in die USA, wenn sie die schiere Zahl enthusiastischer Freiwilliger sehen, die für die Kandidaten von Haus zu Haus ziehen, Wähler anrufen oder Geld spenden. Ohne Frage lebt Wahlkampf in den USA von basisnaher Manpower – gerade in den letzten Wochen vor der Wahl. Die Kampagnen von Barack Obama und John McCain stellen die eigene Basis konsequent in den Mittelpunkt. Ihr Credo lautet: „Jeder Unterstützer ist ein Botschafter!“

 

OosVABeginnen wir mit Barack Obama. Befindet man sich auf der E-Mail-Liste des Demokraten, dann wird man mittlerweile im Stundentakt zu irgendwelchen Wahlkampfaktionen aufgefordert. Mal soll man seine Sachen packen und in einen angrenzenden battleground states fahren, um in den letzten Kampagnentagen als Freiwilliger am elektoralen Häuserkampf teilzunehmen. Mal fordert Obama dazu auf, Hausparties zu organisieren, auf denen bei Cola und Chips gemeinsam unentschlossene Wähler im ganzen Land angerufen werden sollen.

 

John McCain ruft derweil den „Super Saturday“ aus. Das Ziel: Am Wochenende sollen seine Anhänger Events in ihrer Nachbarschaft organisieren, um ihre Freunde, Familien oder Kollegen persönlich von den Qualitäten des Republikaners zu überzeugen.

Box_1025_supersaturday 

Dabei belässt es das Kampagnenteam von McCain nicht. Kürzlich startete es einen Videowettbewerb und forderte seine Unterstützer auf, das  – mittlerweile ziemlich dekonstruierte – Kampagnenmaskottchen „Joe the Plumber“ zu mimen. Im O-Ton:

 

Joe_emailaccent2We want you to tell us how you are "Joe the Plumber" and why you're supporting John McCain and Sarah Palin in thirty seconds. You could even see your video as an official McCain TV ad.[...] Share your video of living the American Dream, working hard, or owning a small business to tell America why you're standing with John McCain and Sarah Palin.

 

Im Fachjargon heißt das: User-Generated Content.

Joe_emailaccent3